Fitzelchen

Ein Fitzelchen: Mittagspausentod

Wie jeder Blogger möchte auch ich eines Tages den großen Roman schreiben, daher fange ich immer mal wieder an, eine Idee für den Beginn einer Geschichte aufzuschreiben.

Heute brachte mich Frau Mainbube auf die Idee diese „Fitzelchen“ unter einer eigenen Rubrik zu veröffentlichen. Das erste Fitzelchen heißt Mittagspausentod.

Mittagspausentod

Jutta verließ mit schnellen Schritten den Westhafentower, ihre Absätze klapperten über das Kopfsteinpflaster und ihre Haare wurden vom Wind schon fast wieder zurück ins Gebäude geweht. Diese verdammt zugige Ecke dachte sie, dazu auch noch die miese Laune ihrer Chefin.

Angelika hatte sie nach unten geschickt. „Geh schnell mal Suppe holen“ hatte sie ihr zugerufen, dann die Tür zu ihrem Büro geschlossen und den Blackberry aus der Tasche gezogen. Sie rief sicherlich wieder ihren Lover an, diesen jungen Kunststudenten aus dem Städel. Mit dem machte sie sich gerade zum Gespött der ganzen Kanzlei, aber er hatte offenbar Qualitäten die es ihr schwer machten, ihr Gehirn wieder einzuschalten. Das hatte Jutta bisher nur bei ihren männlichen Vorgesetzten erlebt.

Die Hitze hatte Frankfurt fest im Griff, nicht ein einziger Regentropfen hatte die letzten Tage den Asphalt kühlen können. Jutta hatte sich für ein sehr gewagte und luftige Sommerkleidvariante entschieden, so wie die Männer gerade im Aufzug geschaut hatten vielleicht ein wenig sehr luftig. Sie schüttelte den Kopf über die Blödheit der Männer, die konnten sie gerade alle mal.

Sie stellte sich in der Schlange an und hatte glücklicherweise einen Schattenplatz entdeckt. Hinter ihr hörte sie eine bekannte Stimme. Sybille aus der Buchhaltung stand hinter ihr, eine attraktive Berufsanfängerin mit der sie sich am Sommerfest gut verstanden hatte, leider nur nicht so gut wie sie es sich gewünscht hätte. Die hübsche Rothaarige mit den niedlichen Sommersprossen stand nämlich offenbar nur auf Männer und nicht wie Jutta auf die beiden Ufer der Geschlechter.

Noch fünf Leute vor ihr, Angelika würde sich auf der einen Seite freuen etwas mehr Zeit für ihr Gespräch zu haben, auf der anderen Seite würde sie unzufrieden sein, dass es so lange (15 Minuten?) gedauert haben würden.

„Hübsches Kleid hast Du an“, hörte sie Sybille sagen. Jutta drehte sich um und sah in die leuchtend blauen Augen von Sybille und beide lachten sich an. Jutte strahlte über beide Ohren und bedankte sich für das Kompliment. Dann lehnte sich Sybille leicht vor uns sprach leise in ihr Ohr. „Ganz schön gewagt, aber es ist ja auch heiß, gell?“ Jutta grinste in sich hinein und sah sich Sybille an. Die hatte heute den Klassiker der Buchhaltung bei Mainstein & Partner an, einen hellgrauen Rock und eine weiße Bluse. Darunter einen cremefarbenen BH.

Mit der Suppe in der Hand fuhren die beiden wieder zurück zum Arbeitsplatz. Sybille musste in der Buchhaltung auf die Straßen des Gutleut schauen, Jutta konnte als Assistentin einer Partnerin den Blick auf den Main und die Allianz genießen. Ihre Schritte wurden vom schweren Teppich geschluckt und so betrat sie nahezu unbemerkt ihr Büro, nur Peter der Seniorpartner sah sie ins Büro kommen. Er hob die Hand zum Gruß und rief ihr etwas zu, was sie aber nicht verstand. Sie schenkte ihm ein Lächeln und stellte die Suppe ab.

Schnell bereitete sie in der kleinen Nische die Suppe für Angelika vor, nahm einen Schluck Weißwein aus dem Kühlschrank, mischte ihn mit einen Spritzer Wasser und einer Scheibe Limette, dazu noch zwei Eiswürfel. Angelika liebte den kleinen Schluck in der Mittagspause und würde ihn mit der Suppe genießen. Jutta klopfte an die Tür und trat wie immer zügig in das Büro ihrer Vorgesetzen ein.
…..
Der Notarzt hatte Jutta eine Beruhigungsspritze gegeben, sie saß auf dem Stuhl vor ihrem Schreibtisch und wischte sich die Tränen aus den Augen. Die Suppe hatte einen großen Fleck auf dem Boden in Angelikas Büro hinterlassen und der Wein hatte sich mit dem hellrot der Karottensuppe zu einem Klecks in rosé am Rand des Suppenflecks verwischt. Roséwein hatte Angelika nicht leiden können fiel Jutta ein.

„Können sie jetzt kurz mit mir sprechen?“ Vor ihr stand ein Polizist in einem verdammt gut sitzenden Sommeranzug mit einem sehr netten Lachgrübchen in seinem Gesicht und zwei ganz wachen Augen.

Jutta hatte dem Polizisten, Mark Feuerbach, den Vormittag, die Suppenzeit und die Sekunden nach dem Öffnen der Tür geschildert.

Sie hatte das kleine Tablett in beiden Händen und die Tür aufgestoßen, dann trat sie ins Büro ein und sah erst einmal nichts, dann fiel ihr Blick auf die Besuchercouch, hinter der roten Couch sah sie die etwas zu hochhackigen Schuhe ihrer Chefin. Jutta hatte das Tablett abgestellt und war dann zur Couch gegangen. Sie warf einen Blick hinter die Couch und dort lag Angelika. Ihre Augen weit aufgerissen und die Hände wie zur Abwehr vor der Brust liegend, die Beine verdreht. Mitten in der Brust steckte ein großes Messer um den sich ein großer Blutfleck gebildet hatte. Sie schrie lau auf und brach zusammen.

Als nächstes konnte sie sich an den Notarzt erinnern.

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