Politisches

Deutschland ein Migrationsmärchen?

Die Medien und die Politik überschlagen sich: Deutschland ist jetzt bunter, freier, so wunderbar anders. Mit der WM in Südafrika und unserer bunten Truppe aus Spielern mit den unterschiedlichsten Wurzeln. So schön integrativ ist die Fußballnationalmannschaft ein leuchtender Stern für alle die sich um Migration und Integration kümmern, also doch der vierte Stern, aber eben ein anderer als gedacht. Der Stern für gelungene Integrationspolitik?

Ob F.A.Z. oder ARD, ob BILD und RTL2, alle sind sich einig, es ist uns gelungen ein Team nach Südafrika zu schicken, dass aufzeigt wie schön bunt Deutschland ist. Ein Land mit so wunderbar gelungener Integrationspolitik in dem für die gesprochenen Satzfragmente mancher Spieler trotz Schulabschluss in Deutschland fast ein Übersetzer notwendig ist.

Gelungene Integration bei einer Millionärstruppe? Ich halte die ganze Aufregung für ein Sommertheater, einen gelungenen Sommerlochfüller bei dem wir uns jetzt alle besser fühlen sollen, weil unser Deutschland nun doch so erfolgreich ist bei der Integration unserer ausländischen Mitbürger. Neben den Kickern selber gab es in fast jeder freien Sendeminute einen Bericht aus Berlin, direkt aus dem Herz der heißen Hauptstadt mit ihren vielen Migranten. Da wird die deutsche Fahne übergroß am Haus hochgezogen und die taz muss ihren Genossen erklären, warum es plötzlich politisch korrekt ist, wenn Ausländer deutsche Flagge zeigen. Schwarz-Rot-Gold auf den Wangen türkischer Mädchen, in den Armen von polnischen Jungs mit Öziltrikot, die Reporter der Integrationswelle müssen kaum noch rausgekommen sein aus der eigenen Begeisterung.

Aber was ist denn nun mit der Realität des Sommermärchens Migration in Germania? Ist es jetzt patriotisch sich auf der Zeil von Ostblockklaubanden mit Deutschlandfahne den Geldbeutel erleichtern zu lassen? Überspitzt ist diese Frage selbstverständlich, doch spiegelt dies den Alltag mehr wider, als alle bunt feierenden Migrationsfanclubs.

Integration und Migration gelingt in unserem Land, und in einer Stadt wie Frankfurt mit einem Ausländeranteil von fast 30%, dann wenn die Familien einen gesunden finaziellen Hintergrund haben. Gesichertes Einkommen, den Willen die Sprache zu lernen und sich nicht abzugrenzen, dann integriert es sich leichter. Ein gutes Beispiel ist das Fitnessstudio in dem ich regelmäßig trainiere; betrieben von einem Türken, mit Angestellten und Kunden aus aller Herren Länder. Alle haben aber einen gesicherten Job, die jungen Angestellten eine Familie in der sie nicht daran gehindert werden die deutsche Sprache zu sprechen und in ihrer Heimat ankommen können. Jungs und Mädchen die sich freuen wenn Deutschland vorne liegt und nicht verstehen können wie manche Leute nach über 20 Jahren in diesem Land nur Hass und Abneigung für die deutsche Elf aufbringen.

Schnell kommt es dann im Gespräch zur Erkenntnis, dass diese Leute offenbar auf der Integrationsstraße in den falschen Bus eingestiegen sind und sich seit dem gerne im Kreisverkehr durch das wunderbare Deutschland schaukeln lassen. Solange der Bus oft genug anhält um die soziale Leistungen des Gastlandes einzusammeln und sonst keiner die Fahrkarte bei der Reise zur Migration kontrolliert, solange ist alles wunderbar, aber wer beim Schwarzfahren erwischt wird, der findet die „Deutschen alle scheiße“.

So schön das Migrationsmärchen der Nationalelf auch ist, ich finde es ist noch ein weiter Weg für die Gesellschaft um eine gelungene Migrationspolitik zu feiern. Wer oft mit Bus und Bahn durch Frankfurt und andere Großstädte fährt, sich auch mal mit jungen Migranten unterhält, der bekommt kein ganz so schlimmes Bild, aber eben auch keinen Grund für Feierstimmung.

Anstatt sich nun auf die sicherlich erfolgreiche Nationalelf zu fokussieren, sollten wir alle mal dort ein Auge hinwerfen wo Migration schon selbstverständlich ist und den Menschen danken die sie schon lange, als Selbstverständnis, leben: Im italienischen Restaurant in dem der Inder mit dem Afrikaner und seinen italienischen Kollegen ganz normal in Deutsch seine Unterhaltung führt, im Supermarkt an der Kasse, im Fitnessstudio und, und, und….

Migration und Integration ist auch nach der WM ein wichtiges Thema in Deutschland, und vor allem dort wo keine Millionengehälter und Prämien für das Weiterkommen gezahlt werden.

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