Buch und eBook

Darling oder der gescheiterte Versuch einer SPD-Politikerin einen Pornokrimi zu schreiben

Es geht gleich zu Beginn zur Sache, harter Pornodreh im alten Niederräder Klärwerk und dazu auch noch mit Waterbondageszenen und einer toten Pornodarstellerin.

Ganz flott taucht der Leser des Romans Darling von Hanna Hartmann (das Pseudonym für die SPD-Politikerin Petra Tursky Hartmann) in die Welt von Geld und Pornographie ein. So weit, so gut, aber leider konnte die Autorin die Politikerin in sich nicht ganz abschütteln und so wird aus einem eigentlich gut recherchierten Krimi aus der Welt der Pornobranche an manchen Stellen eine moralische Abhandlungen über die Schlechtigkeit der Welt, die Boshaftigkeit der Vorratsdatenspeicherung und den viel zu lockeren Jugendschutzmaßnahmen auf US-amerikanischen Pornoseiten.

Alles Aspekte die auch in einem Krimi vorkommen können, aber bei der Autorin sind es die Ermittler die sich plötzlich moralinsauer über die Macht des Geldes auslassen und dabei aber wie Politiker klingen. Der an manchen Stellen auch sehr seicht werdende Krimi beleuchtet zwar in kurzen Passagen die Welt der Pornobranche und deutet hier und da auch an was sich alles in dieser Welt so abspielt und wie schnell die Moral vom Geld gefressen wird, aber am Ende bleibt der erhobene Zeigefinger übrig und nimmt dem Roman damit seine Schlagkraft.
Dieser im Frankfurter Societäts-Verkag erschienene Krimi ist etwas für Freunde der Krimiszene Frankfurt, aber auch nur dann, wenn der Leser bereit ist die erhobenen Zeigefinger zu umlesen.

Am Ende bleibt für den Leser die Erkenntniss, dass es nur ums Geld geht und Webseiten wie kink.com (Vorsicht! Hinter dieser Adresse verbirgt sich Content für Erwachsene) in den USA viel besser und günstiger produzieren können und Menschen mit einem künstlerischen Anspruch in der BDSM-Pornoszene wenig Chancen haben. Auch wenn es um den klassischen Einstieg in die Welt der Pornografie geht gibt es offenbar einen klaren Weg, im Buch lautet dieser Studentin, Hure, Pornostar (später Produzentin).

Darling ist den Kaufpreis von 14,80 € nicht wert. Wie der HR darauf kommt, dass es sich um eine Art Roadmovie durch Frankfurt handelt, ist mir zwar nicht direkt ein Rätsel, denn einen großen Teil der Handlung spielt sich im Taxi ab, ist aber für mich eher ein Versuch den Roman der Politikerin Tursky-Hartmann in irgendeiner Form besonders wirken zu lassen, als die Realität.

Wer die 14,80 € für die 216 Seiten (recht groß gesetzt) ausgeben möchte, der kann Darling hier bei amazon bestellen oder sich erst einmal eine Leseprobe als pdf runterladen.

3 Kommentare

  1. Alexandra

    Danke für die Rezension, Herr Mainbube. Ich wundere mich aber, woher Du als „Normal-Blogger über jeden und alles“ so viel Ahnung und Eindrücke von den wahren Machenschaften hinter Porno, Escort & Co. hast 🙂 Jm., der sich solche Urteile anmaßt, muss tiefere Einblicke in die Thematik haben:-))) ERZÄHL UNS DAVON!!!!!!!!

    • Eine gute Frage! Wie schon die F.A.Z. in ihrem Artikel über meinen alten Blog treffend festgestellt hat, ist es die Auswahl der Themen die für Traffic sorgen kann. Das ein oder andere magische Keyword sorgt für ein besseres Ranking in den Suchmaschinen.

      Aus diesem Grund habe ich nicht nur regelmäßig über Playboy und Penthouse geschrieben, oder einen erotischen Fotoband vorgestellt, auch den Themen der großen Lifesytlemagazine habe ich mich gerne angeschlossen.

      Bereits am 18. Oktober 2007 habe ich die Berichterstattung des Journal Frankfurt zum Thema Escort-Service als Thema gehabt, davor hatte schon der Stern seinen Lesern einen Einblick in die Welt der Agentur Noblesse gegeben. Und das SWR Nachtcafé hatte ebenso wie die Radiokollegen von SWR1 die Chefin einer großen Escortagentur als Gast, bzw. als Interviewpartner geladen.

      Das Gespräch gab dann auch noch einige interessante Eindrücke über ein bis dahin eher nicht so offensiv auftretendes Gewerbe.

      Somit hatte sich ein gewisser Background ergeben, da das Thema dann auch noch für einige Zugriffe gesorgt hat, gab es dann von mir am 03. Oktober 2008 noch einen Nachschlag mit einem Filmchen einer Escortdame zu diesem Thema.

      Dann gab es noch genügend Anschauungsmaterial zu dem Thema in diversen TV-Sendern. Du siehst also, auch ein normaler Blogger kann sich ein bisschen Wissen anlesen. Damit ist Deine Frage hoffentlich beantwortet.

  2. Interessant, was sie aus Darling herausgelesen haben. Ich hab es gar nicht als „Pornokrimi“ gesehen, sondern als 48-Stunden-Beziehung, die das Milieu tangiert. Und der erhobene Zeigefinger … mh … seltsam, wie das eigene Buch manchmal bei anderen ankommt. Aber danke fürs Lesen.

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