Ostafrika Reise

Donnergrollen in Afrika

Starker Regen hatte die Böden im Nationalpark stark aufgeweicht und die kleine Range-Rover-Kolonne bewegte sich, kurz nach passieren des Nationalparkgates, auf den vom Regen durchtränkten Pisten wie schlingernde Schiffe beim Passieren einer Hafeneinfahrt, wenn plötzlich ablandiger Wind die Bordwände streift.

Wie Kapitäne ihre Schiffe sichern durch den Wellengang schippern, so fuhren uns die einheimischen Kapitäne der Nationalparkpisten sicher durch die schlammigen Wege zur Lodge, vorbei an Kleinbussen, welche teilweise bis zur Stoßstange im Morast der aufgeweichten Wege festsaßen und darauf warteten, dass sie wieder freigeschleppt würden.

Unsere Kolonne schlingerte vorbei an grünem Gras, dichten Büschen und den neugierigen Blicken von hunderten von Zebras. Während wir fasziniert in die unendliche Weite der Massai-Mara blickten und versuchten nahezu jedes Gnu einzeln abzulichten, erreichten wir nach einer Schauckeltour über in den Matsch gegrabenen Schienen unsere Lodge.

Erhaben wie eine Trutzburg lag das Gelände unserer Unterkunft auf einem kleinen Hügel oberhalb eines Wasserlochs und umgeben vom saftigen Grün afrikanischer Büsche und Bäume. Die Sonne hatte nach dem Regen der Nacht und des Morgens ein unangenehmes Stechen in den Augen als Begleiterin für ihre Strahlen und so tauchte die afrikanische Tierwelt vor uns in den getönten Farben der Sonnenbrillen auf.

Wie an jedem Tag einer Safari, so auch an diesem Tag, hatten unsere Fahrer und Guides ein umfangreiches Programm für uns vorbereitet. Nach dem obligatorischen Abwerfen der Koffer und Rucksäcke in den Zimmern ging es gleich los zum ersten Trip durch die Tierwelt.

Ausgerüstet mit dem untrüglichen Sensors unzähliger Pirschfahrten durch die Landschaft steuerten wir, geführt von einem über Funk übertragenen Stimmengewirr der Fahrer, die Hotspots an die wir uns ersehnt hatten. Krokodile, Löwen, Giraffen, Nashörner und Zebras bis zum Horizont wurden unsere Begleiter. Auslöser an den Kameras wurden zum Glühen gebracht und jede Minute konnte jeder Mitreisende mit seinem Finger auf eine neue Entdeckung zeigen und wurde sogleich von einem anderen Entdecker, mit einer noch spektakuläreren Entdeckung, abgelöst.

Bevor die Mittagssonne mit ihren Strahlen für unerträgliche schwüle Hitze sorgte, konnten wir bei einem Glas Weißwein dem Treiben der Tiere am Wasserloch zusehen und die angenehme Stille des afrikanischen Mittags genießen. Während die Hitze für Ruhe bei Menschen und Tieren sorgte, konnten die aufgeregten Entdecker hoch über der Savanne ein Bad im Pool nehmen und sich danach von der Sonne in den Schlaf wiegen lassen.

Bevor der Tag, hier in der Nähe des Äquators, sich fast pünktlich um halb Sieben von der Nacht verdrängen ließ, ging es noch auf eine weitere Tour durch die unglaubliche Natur der Massai-Mara.

Kleine Löwenkinder sorgten an diesem besonderen Tag für einen besonders schönen Abschluss des Tages, wobei auch Mutter Natur sich nicht damit zufrieden gab uns besonders schöne Exemplare ihrer Schöpfung zu präsentieren, auch noch ein Feuerwerk aus Blitz und Donner sollte uns geboten werden.

Leichte Unruhe erfasste unsere Fahrer als ein leichter Wind aus westlicher Richtung vom nicht so weit entfernten Victoriasee dunkle Wolken das wundervolle blau des afrikanischen Spätnachmittaghimmels verdunkelten.

Hatte wenige Minuten vorher noch das leicht diesige Licht die Natur in eine Art Sichtwattebausch gepackt, so brachte der Wind eine bis dahin noch nicht gesehene Klarheit über die Ebene der Massai-Mara. Vollkommen frei von Staub oder Dunst lag der Weg zur Lodge vor uns. Die Sonne brannte mit einer Intensität vom Himmel, wie wenn sie durch ein Brennglas auf die Erde geschickt würde.
Aus Angst vor dem aufkommenden Unwetter rauschten unsere Fahrer mit uns dem bedrohlichen Himmel entgegen und brachten uns vor den ersten Tropfen wieder zurück in unsere schützende Lodge.

Spektakuläres Donnergrollen, immer stärker werdender Wind und Blitze von einer ungeahnten Helligkeit zauberten ein Naturschauspiel an den Himmel wie es noch niemand von uns gesehen hatte.

Mutter Natur hatte uns an diesem Tag reich beschenkt und wir konnten begleitet vom fernen Grollen des abziehenden Gewitters eine ruhige Nacht mit erfüllten Träumen verbringen.

Mehr zum Thema Kenia gibt es noch im alten Blog.

2 Kommentare

  1. Hi Patrick, liest sich wie die Einleitung zu „Jenseits von Afrika“. Wirst Du jetzt sentimental, so kurz vor Schluß 😉

  2. Ich freue mich schon auf meinem Trip nach Uganda nächstes Jahr… und immer wieder schaue ich gerne die Bilder von meinem Südafrika-Urlaub, der leider schon fast sechs Monate her ist 🙁

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.