Markt & Wirtschaft

Unglückliches Urteil des BGH für Onlinehändler mit Listung bei Preisvergleichern

Ein Urteil des BGH dürfte die Welt der Online-Preisvergleicher ziemlich aufrütteln, denn diese sind es, die demnächst darüber bestimmen wann ein Händler ein Produkt mit einem neuen Preis auf seiner eigenen Seite bewerben darf.

Im Urteil des BGH heißt es:

Händler dürften die Preise für Produkte, für die sie in einer Preissuchmaschine werben, erst dann umstellen, wenn die Änderung auch in der Suchmaschine angezeigt wird, betonte der BGH.

Im vorliegenden Fall hatte ein Onlinehändler einen Preis auf seiner Webseite angehoben, auf der Webseite des Onlinepreisvergleichs idealo.de wurde diese Preisumstellung aber erst später berücksichtigt.

Sicherlich ist das Urteil verbraucherfreundlich, aber aus meiner Sicht doch ein wenig wirklichkeitsfremd. Nun hat es ein Dritter (nämlich der Preisvergleicher) in der Hand wann ein Preis auf der eigenen Seite umgestellt werden kann.

Die für die Preisvergleicher wichtigen Informationen werden zwischenzeitlich zwar als CSV-/ oder XML-Datenfeed angeliefert, aber der Zeitpunkt wann diese neuen Daten eingelesen werden obliegt der Webseite.

Ein Onlinehändler muss nun rein theoretisch alle angeschlossenen Vergleichsseiten über eine Preisänderung informieren und dann nachsehen, ob alle Vergleicher die Änderung vorgenommen haben, sollte dies nicht der Fall sein, dann darf er seinen Preis nicht ändern und muss ein Produkt im schlimmsten Fall auslisten oder mit Verlust verkaufen.

Ein weiterer schwieriger Aspekt der Entscheidung ist, dass viele Onlinehändler die Daten nicht direkt an die Preissuchmaschinen liefern, sondern diese Daten an Dienstleister (Agenturen, SEO-Optimierer, Affiliateplattformen) weitergeben und diese dann erst die Daten aufbereiten und weitergeben.

Aus meiner Sicht wird der Druck in einem wachsenden Umfeld von sinkenden Erträgen und steigenden Ansprüchen der Richter an den Verbraucherschutz zu einem umgekehrten Ergebnis führen, denn einige Preisvergleicher werden die geforderten Maßnahmen überhaupt nicht umsetzen können, da ihnen, je nach Größe des Unternehmens, dafür das Personal fehlt. Es wird also zu einer Konsolidierung in diesem Segment kommen und dies wird irgendwann zu steigenden Preisen für die Onlinehändler für die Listung führen und für die Verbraucher zu evtl. weniger Onlinehändlern die ihre Preise vergleichen lassen. Dabei sind Onlinepreisvergleicher wie evendi.de oder idealo.de eine der wenigen Möglichkeiten im Netz einen nahezu marktumgreifenden Überblick über Preise und Produkte zu bekommen.

Der BGH führt das Urteil unter dem AZ: I ZR 123/08 – Urteil vom 11. März 2010

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