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Arztroman auf Ecstasy: Mit Ariane Sommer im softporno-erotischen Fahrwasser der Feuchtgebiete

arianne sommer präsentiert ihr buch foreihn affairs im moulin rouge in frankfurt und liest daraus softpornomäßige stories vor Die kosmopolitische Autorin Ariane Sommer machte gestern einen kleinen Abstecher ins Frankfurter Bahnhofsviertel. Dort im Moulin Rouge wurde sie von ihrem Verleger überschwänglich begrüßt und alle Zuhörer durften dankbar sein, dass das ehemalige It-Girl und Playboy-Kolumnistin auf ihrer Tour durch Europa („sie muss heute Abend noch weiter Richtung Rheinland-Pfalz“) in Bembeltown einen Lesehalt gemacht hat.

Foreign Affairs eine Sammlung von Kurzgeschichten in einem an Schlangenleder erinnernden Einband, daraus las die blonde Autorin bei ihrem Shortstop vor. Prominente Zuhörer hatten sich eingefunden um den aufregenden Geschichten einer weitgereisten Diplomatentochter zu lauschen. Steffen Seibert hatte sich die Ehre gegeben, musste aber nach der zweiten Kurzgeschichte schon wieder weg, wohl zu seiner Sendung in der Frankfurter Oper. Auch Sybille Nicolai ließ es sich nicht nehmen um den semi-softponohaften-Erzählungen von Frau Sommer zu lauschen.

Neben den Promis hatten sich auffällig vielen Damen und Herren jenseits der 50 eingefunden und präsentierten an diesem Abend einen bunten Ausschnitt der Farbtöne gold-braun bis grau-schwarz gepaart mit aufregenden Naturelementmotiven auf den Kleidungsstücken.

ariane_sommer_2 Die Autorin selber präsentierte sich, im Gegensatz zu ihren wild-schmutzigen Geschichten, im braven Blusenoutfit auf etwas höheren Schuhen und einem It-mäßigen Dauergrinsen.

Mit einem frischen Bitter-Lemon gerüstet lauschte ich dann, wie alle anderen Anwesenden, den immer wieder ins seicht-softpornomäßig abdriftenden Erzählungen. Mit angenehmer Stimme, aber vollkommen talentfrei für Dialekte (die Österreich-Story würde ich als Agent aus der Reihe der vorzulesende Stücke streichen) wurden wir von Genf und dem Thema künstlicher Befruchtung nach Mexiko, über Paris und Salzburg, geführt. Immer wieder keimte zu Beginn einer jeden Geschichte die wage Hoffnung auf es würde nicht gleich wieder um den Austausch von Körperflüssigkeiten gehen, aber wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung landeten die Zuhörer und die Vorleserin immer wieder an einem Punkt an dem zumindest die im Moulin Rouge aufgehängten erotischen Bilder und die Geschichte zu einer einzigen Melange aus Körperlichkeiten verschmolzen.erotic_art_moulin_rouge

Sicherlich ist dem Verlag weissbooks mit diesem Bändchen aus erotischen Begebenheiten ein echter Marketingcoup gelungen, die mehr als gut besuchte Veranstaltung bewies es. Dennoch frage ich mich wie viele Bücher noch im Fahrwasser von Feuchtgebiete auf den Markt geworfen werden? Literatur muss nicht immer nur Akademiker ansprechen, Literatur darf, muss manchmal erotisch sein, aber wenn das vorgetragene Wort einen eher an Omas Arztromane auf Ecstasy erinnern, dann wird das Fahrwasser schon sehr seicht, selbst wenn es der Autorin gelingt die Hautfarbenbeschreibung von afroamerikanischen Basketballspielern mit dem Wort teakholzfarben zu unterlegen.

Gerade diese Erzählung aus dem Lotterleben der herumreisenden und von sich selbst erzählenden Protagonisten (nicht zu verwechseln mit der Autorin) machte jedem Zuhörer und jeder Zuhörerin (sehnsuchtsvolle Blicke streiften durch den Raum bei der Beschreibung des sportlichen Basketball-Lovers mit dem Riesenglied welches kaum vernünftig aufgenommen werden konnte) klar, wohin die Reise in diesem Buch geht. Eigentlich um Auswärtsspiele der softporno-erotischen Art, manchmal noch mit einem kleinen Augenzwinkern und einem ansatzweise erhobenen Zeigefinger. Die unglaublich erfolgreiche Erzählfigur weiß sich natürlich immer in entsprechender Weise am Ende eines jeden Auswärtsspiels zu rechtfertigen und verteilt die eine oder andere rote Karte (die Dame im roten Kleid zog wohl daher die meisten Blicke auf sich) an die bösen Männer die immer nur das Eine wollen.

Klar durften die anwesenden Besucher das Buch am Ende der Lesung käuflich erwerben und selbstverständlich signierte Frau Sommer auch brav jedes Buch. Männlein wie Weiblein freuten sich über eine Widmung und freudestrahlend verließen sie dann, erheitert vom Weißwein und der Vorstellung Ariane Sommer sei die Frau welche den Riesenschwanz des Basketballspielers nicht richtig bearbeiten konnte, das Moulin Rouge.

7bello Wir, Frau Bodensee, Frau Mainbube, und ich, stiefelten dann durch unser Frankfurter Blinklichtviertel Richtung 7bello und stellten dann fest, dass die Tageskarte dort mehr sinnhaftes zu bieten hatte als das was wir in einer Stunde aus dem Munde und dem Buche von Frau Sommer vernommen hatten. Fazit dieser Lesung ist also, dass der Ort der Veranstaltung – Moulin Rouge in der Moselstraße – ein Versprechen gewesen ist, welches der Verlag und die Autorin gehalten haben. Wohingegen das 7bello in der Niddastraße kein Versprechen abgeben musste, aber dafür alle Erwartungen mehr als übertroffen hat.

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