Politisches

Der Zwang zur nationalen Fröhlichkeit

20 Jahre Mauerfall und wir Deutschen rotten uns in Berlin oder vor den TV-Geräten zusammen, sicherlich der Ort an dem die meisten Deutschen auch vor zwanzig Jahren die friedliche Revolution bei Bier und Chips durchlebt haben. Der ein oder andere Westdeutsche sogar schon mit der Schweißperle vor der Verwandtschaft aus dem Osten auf der Stirn.

Wenn es einen nationalen Gedenktag gibt, dann ruft uns die Regierung nach Berlin und wichtige Leute dürfen uns mitteilen wie schön es ist, dass wir einen Grund zum Feiern haben. Ziemlich öde, oder? Und fast so wie im Osten zu fest vereinbarten Triumphfeiern. Ein einziges Mal sind wir bisher aus der Feierordnung ausgebrochen und es wurde gleich ein Sommermärchen. Keiner hatte uns gesagt wo und wie wir zu feiern haben, wir taten es einfach. Ein olles Nationaltrikot, eine Dose Bier und einen Holländer im Arm zogen wir durch die Straßen unseres eigenen Landes, wir schämten uns nicht für „Deutschland, Deutschland“-Rufe und alle sangen stolz und voller Begeisterung unsere Nationalhymne. Die wenigen die aus Reflex vor dem aufkeimende Nationalstolz warnen wollten, hatten wir schnell verstummen lassen und sangen gemeinsam mit den Briten „ten german bombers in the air“ (sollten sie eigentlich nicht singen).

Unangeordnete Fröhlichkeit ist natürlich etwas merkwürdiges und ist für Deutsche nicht immer leicht hinzubekommen, aus diesem Grund beneide ich die Briten. Sie haben das Talent total zu übertreiben, aber auch so wundervolle Momente wie die Last Night hinzubekommen. Diese Leichtigkeit würde ich mir für die 25-Jahrfeier des Mauerfalls wünschen. Weniger Staat, mehr Bürger!

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