Politisches

Die Trivialisierung des Unrechtsstaats DDR

20 Jahre nach dem Mauerfall gibt es eine schier endlose Reihe von Dokumentationen, Filmen und Zeitungsberichten über diesen Glücksfall der Geschichte.

Dieser Glücksfall befreite ein ganzes Land aus den Händen eines Regimes, welches seine Bürger bespitzeln und minutiös beobachten ließ. Die regierende SED (heute Linkspartei und auf dem Weg durch Matthias Platzeck endgültig in die Kuschelecke gesetzt zu werden) hatte kein Interesse an einer lebendigen Demokratie, dafür aber an einem aktiven Unrechts-/Unterdrückungsstaat. Davon hören wir heute am Rande, denn in vielen lustigen Shows sehen wir Menschen in NVA oder Volkspolizeiuniformen, Erich Honecker hängt in TV-Dekorationen rum, als sei er nicht die am meisten verantwortliche Person für die Menschen die an der Grenze und der Mauer auf dem Weg in die Freiheit den Tod gefunden haben.

Es gibt eine Form der Trivialisierung der DDR, eine Verniedlichung der Vorgänge in diesem Land. Als ob die SED und Stasi ihre Bürger nicht über Jahrzehnte unterdrückt haben. Vielmehr gibt es Versuche nur zwanzig Jahre nach dem Ende des Unrechtsstaates DDR diese als Kuschelbiotop für Menschenrechte hinzustellen. Politiker der Ex-Staatspartei SED, welche sich heute um Gregor Gysi und Lafontaine als demokratische Partei versammeln, werden nicht müde die Unterdrückung der Menschenrechte zu leugnen. In wirren Blogs wird dann sogar die Bundesrepublik Deutschland als Unrechtsstaat bezeichnet.

Zur Verteidigung wird immer wieder auf das Argument zurückgegriffen, wonach die UNO die DDR als Staat anerkannt hat, viele Staaten die heute Mitglied der UNO sind, sind weit weg von einem demokratischen Rechtsstaat.

Viel schlimmer als diese Debatte um einen politischen Kampfbegriff ist aber die Tatsache, dass vergessen wird wie die DDR mit Menschen umgegangen ist die nicht ins Bild gepasst haben. Keine freie Berufswahl, kein Studium, Unterdrückung & Kontrolle. Repressive Maßnahmen gegen Familien und ständige Beobachtung durch die Stasi. Das wird nicht erwähnt wenn sich Oli Geißen lustig plaudernd mit Ex-Stars der DDR auf der Couch unterhält.

Bei den MTV-Awards in Berlin durften gutaussehende Mädels in NVA-Uniformen als nettes Beiwerk rumstehen – geht es noch? Was wäre passiert, wenn die jungen Damen in SS-Uniformen angetreten wären? Manche Teile der Politik möchten offenbar gerne vergessen machen was es bedeutet hat in der Mangelrepubilk DDR zu leben, denn dann können sie besser nach Versöhnung mit den Mauerschützen rufen und sich von der Linkspartei in ihre Ämter wählen lassen, oder wie kommt der Wandel des Herrn Platzeck zustande?

Vielleicht sollten im Rahmen der Feierlichkeiten und des normalen Geschichtsunterrichts in unseren Schulen mehr Opfer zu Wort kommen und weniger die Täter. Schabowski, Krenz & Co. Lächeln mir fast jeden Tag entgegen und können von ihren letzten Tagen als regierende Politiker berichten. Die Opfer aus Bautzen und Hohenschönhausen sehen wir nicht, aber die bekommen ja auch teilweise noch nicht einmal soviel Rente wie die Täter.

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