Reise

„Is this Greece ?“ Flüchtlinge auf Samos

„Is this Greece?“. So begann vor zwei Tagen meine erste Begegnung mit Bootsflüchtlingen aus Afrika. Dieses Aufeinandertreffen hatte ich mir, wenn es denn mal passieren sollte, eher auf den Kanaren vorgestellt und dazu auch noch etwas spektakulärer. So verlief es eher unmedial, also keine Gruppe zerlumpter und von wochenlangen Entbehrungen gezeichnete Gruppen von Männern und Frauen die sich vor Erschöpfung kaum noch auf den Beinen halten können. Eine kleine, gemischte, Gruppe von Frauen und Männern, die aus den Bergen der samiotischen Berge kamen und meine Joggingrunde kreuzten.

„Is this Greece? Not Turkey!“, diese Frage schien das Existenziellste für diesen Augenblick zu sein, gefolgt von der Frage nach der „Policestation“. Die erste Frage konnte ich noch beantworten, bei der zweiten musste ich schon passen, denn Polizei hatte ich in Ireon noch nie gesehen. Weder bei meinem ersten Aufenthalt vor ca. 11 Jahren, noch bei den folgenden Urlauben auf Samos hatte sich die Polizei mit viel Präsenz in meinen Erinnerungen verhaftet. Das allgegenwärtige Militär, welches auf den Überfall aus der Türkei wartet und daher die Insel gut bewacht, hatte da mehr Eindruck hinterlassen. Nur die Knaben in den Tarnklamotten können diesen Leuten wohl kaum weiterhelfen.

So blieb der Gruppe nichts anderes übrig als ihren Weg Richtung Dorf fortzusetzen und irgendwo auf den erlösenden Polizisten zu stoßen, dem sie ihre heilbringenden Worte nach Asyl mitteilen könnten.

Meine Laufrunde setze ich dann fort, spürte allerdings im Knie den Grund für das Laufverbot vom Onkel Doc, und fragte nach meiner Rückkehr unsere Gastgeberin ob die Flüchtlinge ein großes Problem seien.

Die ostägäischen Inseln sind seit ca. 2 Jahren ein verstärkter Anlaufpunkt für Schlepperbanden, die ihre „Ware“ hier am südöstlichen Zipfel Europas abliefern und sich selber überlassen. Das türkische Festland ist an manchen Stellen weniger als 5 Kilometer entfernt und so ist die Angst der Flüchtlinge anstatt in Europa in der Türkei zu landen relativ groß. Die Gewissheit europäischen Boden unter den Füßen zu haben, ist für viele wohl schon der erste Hoffnungsschimmer. Die Erleichterung der Afrikaner die ich getroffen habe, machte sich in einem verheißungsvollen Blick gen Himmel und einem dankbaren Seufzer bemerkbar.
Hier auf Samos landen die Flüchtlinge in einem Auffanglager, weit entfernt von der hellenischen Hauptstadtbürokratie entfernt, werden die Insel, wie Samos, mit dem Problem alleine gelassen. Die Auffanglager dienen Journalisten auf der Suche nach Gruselbildern vom Flüchtlingselend wohl als gerne genommenes Bildmaterial. Die Inselbewohner sehen es mit Skepsis, wenn sie für diese Bilder verantwortlich gemacht werden, denn ihre Schuld ist der Behausungszustand nicht, eher die Probleme mit Athen &Brüssel, wenn es um die Flüchtlinge aus Schwarzafrika geht, sind verantwortlich für die wenig gastfreundschaftliche Unterkunft auf einer Ferieninsel.

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